“Das weiße Band” von Michael Haneke wurde am Sonntagabend in Hollywood mit dem Golden Globe für den besten ausländischen Film ausgezeichnet. Christoph Waltz erhielt einen Golden Globe für seine Nebenrolle in dem Drama “Inglourious Basterds”. Als beste Filme wurden “Avatar” (Drama) und “The Hangover” (Komödie) gekürt. Beste TV-Serien sind “Mad Men” und – etwas überraschend – “Glee”. Auch Meryl Streep, Alec Baldwin, Sandra Bullock, Robert Downey jr., Jeff Bridges und James Cameron dürfen sich über Auszeichnungen freuen.
Am Sonntagabend (Ortszeit) wurden im Beverly Hills Hotel in Hollywood zum 67. Mal die Golden Globes verliehen. Besonders aus deutscher Sicht verlief der von Ricky Gervais moderierte Abend mehr als erfreulich. Michael Hanekes Film “Das weiße Band” gewann den Preis für den besten ausländischen Film uns setzte sich damit gegen Produktionen aus Italien (“Barria”), Spanien (“Broken Emjbraces”), Chile (“The Maid”) und Frankreich (“The Prophet”) durch. Der in schwarz-weiß gedrehte Steifen über mysteriöse Unfälle in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des Ersten Weltkrieges war bereits der große Abräumer beim Europäischen Filmpreis und hat nun beste Chancen, nach “Das Leben der Anderen” (2007) auch den Oscar wieder nach Deutschland zu holen.
Die Auszeichnung für den besten Film (Drama) ging an den Science-Fiction-Streifen “Avatar”, der in knapp fünf Wochen allein in Deutschland über 5,8 Millionen Zuschauer ins Kino gelockt hat und hinter “Titanic” der bislang erfolgreichste Film aller Zeiten ist. James Cameron durfte sich außerdem über den Preis für die beste Regie freuen. “Avatar”, mit 4 Nominierungen einer der Favoriten des Abends, setzte sich gegen Quentin Tarantinos “Inglorious Basterds”, Jason Reitmans “Up in the Air”, “The Hurt Locker” von Katheryn Bigelow und “Precious” von Lee Daniels durch. Bester Film (Komödie/Musical) wurde der von Todd Phillips inszenierte Streifen “The Hangover”, der sich gegen Nora Ephrons “Julie & Julia” mit Meryls Streep, die mit Streep, Alec Baldwin und Steve Martin prominent besetzte romantische Komödie “Wenn Liebe so einfach wäre” (“It’s Complicated”) von Nancy Meyers, “(500) Days of Summer” von Marc Webb und Rob Marshalls “Nine” durchsetzen konnte. Bester Animationsfilm wurde der Streifen “Oben” (“Up”), der außerdem für die beste Originalmusik geehrt wurde.
Der Golden Globe für die beste Hauptdarstellerin in einem Drama ging an Sandra Bullock für ihre Rolle in “The Blind Side”. Für Bullock, die sich in ihrer Dankesrede auf deutsch auch bei ihrer deutschen Familie bedankte, war es nach vier Globe-Nominierungen der erste Gewinn ihrer Karriere. Sie war außerdem als beste Hauptdarstellerin (Komödie/Musical) nominiert, musste hier aber Meryl Streep den Vortritt lassen, die den Preis für ihre Darstellung der Julia Child in “Julie & Julia entgegen nehmen konnte. Streep war außerdem in derselben Kategorie für die Komödie “Wenn Liebe so einfach wäre” (“It’ Complicated”) nominiert. Für die Ausnahmeschauspielerin war es bereits der siebte Golden Globe-Gewinn, zuletzt konnte sie die Trophäe 2007 für “Der Teufel trägt Prada” mit nach Hause nehmen. Nominiert war Streep bereits 24 Mal.
Jeff Bridges konnte seinen ersten Golden Globe als bester Hauptdarsteller (Drama) für seine Leistung in “Crazy Geart” entgegen nehmen; nominiert war er in seiner Karriere insgesamt vier Mal. Robert Downey Jr. überzeugte die Jury mit seiner Darstellung des Sherlock Holmes und gewann den Preis für den besten Hauptdarsteller (Komödie/Musical). Es ist Downeys dritter Gewinn bei fünf Nominierungen. Der österreichische Schauspieler Christopher Waltz wurde für seine Nebenrolle in dem Quentin Tarantino-Streifen “Inglorious Basterds” ausgezeichnet; der Preis für die beste Nebendarstellerin ging an Mo’Nique für “Precious: Based on the Novel Push by Sapphire”.
Sicher nicht nach Wunsch verlief der Abend für den Favoriten “Up in the Air”, der in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Kritikerpreise einheimsen konnte. Sechs Mal nominiert – unter anderem für den besten Film (Drama) die beste Regie (Jason Reitman) und den besten Hauptdarsteller (George Clooney) – reichte es am Ende nur für den Gewinn des Drehbuchpreises.
Fernsehpreise: “Mad Men” und “Glee” beste Serien
Einen Favoritengewinn und eine Überraschung gab es bei der Vergabe der Fernsehpreise. In der Kategorie Beste Fernsehserie (Drama) setzte sich “Mad Men” erwartungsgemäß gegen “Big Love” (HBO), “Dexter” (Show), “House” (FOX) und “Trouble Blood” (HBO) durch. Für die Serie des US-Kabelsenders AMC ist es der dritte Gewinn in Folge. Der Preis für die beste Fernsehserie (Komödie/Musical) ging hingegen überraschend an das im Herbst neu gestartete High-School-Musical “Glee” (FOX), das sich gegen die bislang bei Preisverleihungen dominierende NBC-Serie “30 Rock” sowie gegen “The Office” (NBC), “Entourage” (HBO) und die ebenfalls neue Serie “Modern Family” (ABC) durchsetzen konnte. Für das vier Mal nominierte “Glee” blieb es aber bei der einen Auszeichnung.
Zwei Auszeichnungen gingen an die Fernsehserie “Dexter”. Michael C. Hall holte den ersten Golden Globe seiner Karriere (vier Nominierungen) als bester Hauptdarsteller (Drama), John Lithgow wurde als bester Nebendarsteller gekürt. Für Lithgow ist es der zweite Gewinn.1996 konnte er den Preis bereits für die Hauptrolle in “3rd Rock from the Sun” entgegennehmen, für die er insgesamt drei Mal nominiert war.
Alec Baldwin wurde erneut für seine Rolle des Jack Donaghy in “30 Rock” mit dem Preis für den besten Hauptdarsteller (Komödie/Musical) ausgezeichnet. Auch dies keine wirkliche Überraschung. Baldwin hatte den Golden Globe bereits 2006 und 2009 gewonnen; nominiert war er in seiner Karriere bereits acht Mal, unter anderem für “The Cooler” (2003) und “A Streetcar Named Desire” (1996).
Bei den Hauptdarstellerinnen gingen die Auszeichnungen an Julianna Margulies für “The Good Wife” (Drama) und Toni Collette für “United States of Tara” (Komödie/Musical). Margulies hat bereits sieben Nominierungen auf ihrem Konto, diesmal hat es nun endlich geklappt; auch für Collette ist es der erste Gewinn bei drei Nominierungen. Chloe Sevigny erhielt den Preis für ihre Nebenrolle in “Big Love”. Weitere Preise gingen an “Grey Gardens” (Beste Miniserie/Fernsehfilm), Kevin Bacon / für “Taking Chance” (Bester Hauptdarsteller Miniserie/Fernsehfilm) und Drew Barrymore für Grey Gardens (Bester Hauptdarstellerin Miniserie/Fernsehfilm).
DerCecil B. DeMille Award ging in diesem Jahr an Martin Scorsese; die Laudatio hielten Robert DeNiro und Leonard DiCaprio. Als bester Regisseur wurde Scorsese bereits zwei Mal mit dem Golden Globe ausgezeichnet – für “Gangs of New York” (2003) und “The Departed” (2007). Weitere fünf Mal war er nominiert, vier Mal für seine Regieleistungen (“Casino” “Age of Innocence” “Goodfellas” und Raging Bull”) sowie zusammen mit Nicolas Pileggi für das Drehbuch zu “Goodfellas”. Scorseses nächster Film “Shutter Island” mit DiCaprio und Ben Kingsley startet am 25. Februar in Deutschland.
Die Gewinner im Überblick:
FILM
Bester Film – Drama
- Avatar – GEWINNER
- The Hurt Locker
- Inglourious Basterds
- Precious: Based on the Novel Push by Sapphire
- Up in the Air
Beste Hauptdarstellerin – Drama
- Emily Blunt, The Young Victoria
- Sandra Bullock, The Blind Side – GEWINNER
- Helen Mirren, The Last Station
- Carey Mulligan, An Education
- Gabourey Sidibe, Precious: Based on the Novel Push by Sapphire
Bester Hauptdarsteller – Drama
- Jeff Bridges, Crazy Heart – GEWINNER
- Colin Firth, A Single Man
- Morgan Freeman, Invictus
- Tobey Maguire, Brothers
Bester Film – Musical oder Komödie
- (500) Days of Summer
- The Hangover – GEWINNER
- It’s Complicated
- Julie & Julia
- Nine
Beste Hauptdarstellerin – Musical oder Komödie
- Sandra Bullock, The Proposal
- Marion Cotillard, Nine
- Julia Roberts, Duplicity
- Meryl Streep, It’s Complicated
- Meryl Streep, Julie & Julia – GEWINNER
Bester Hauptdarsteller – Musical oder Komödie
- Matt Damon, The Informant
- Daniel Day-Lewis, Nine
- Robert Downey Jr., Sherlock Holmes – GEWINNER
- Joseph Gordon-Levitt, (500) Days of Summer
- Michael Stuhlbarg, A Serious Man
Bester Animationsfilm
- Cloudy with a Chance of Meatballs
- Coraline
- The Fantastic Mr. Fox
- The Princess and the Frog
- Up – GEWINNER
Bester ausländischer Film
- Barria (Italien)
- Broken Embraces (Spanien)
- The Maid (Chile)
- The Prophet (Frankreich)
- The White Ribbon (Deutschland) – GEWINNER
Beste Nebendarstellerin
- Penelope Cruz, Nine
- Vera Farmiga, Up in the Air
- Anna Kendrick, Up in the Air
- Mo’Nique, Precious: Based on the Novel Push by Sapphire – GEWINNER
- Julianne Moore, A Single Man
Bester Nebendarsteller
- Matt Damon, Invictus
- Woody Harrelson, The Messenger
- Christopher Plummer, The Last Station
- Stanley Tucci, The Lovely Bones
- Christopher Waltz, Inglorious Basterds – GEWINNER
Beste Regie
- Katheryn Bigelow, The Hurt Locker
- James Cameron, Avatar – GEWINNER
- Clint Eastwood, Invictus
- Jason Reitman, Up in the Air
- Quentin Tarantino, Inglourious Basterds
Bestes Drehbuch
- Neill Blokamp – District 9
- Mark Boal – The Hurt locker
- Nancy Meyers – It’s Complicated
- Jason Reitman – Up in the Air – GEWINNER
- Quentin Tarantino – Inglourious Basterds
Beste Originalmusik
- Michael Giacchino – Up – GEWINNER
- Marvin Hamlisch – The Informant
- James Horner – Avatar
- Abel Korzeniowski – A Single Man
- Karen O, Carter Burwell – Where the Wild Things Are
Bester Originalsong
- “Cinema Italiano” – Nine (Musik & Text: Maury Yeston)
- “I Want to Come Home” – Everybody’s Fine (Musik & Text: Paul McCartney)
- “I Will See You” – Avatar (Musik: James Horner, Simon Franglen – Text: James Horner, Simon Franglen, Kuk Harrell)
- “The Weary Kind (Theme from Crazy Heart)” – Creazy Heart (Musik & Text: Ryan Bingham, T Bone Burnett) – GEWINNER
- “Winter” – Brothers (Musik: U2 – Text: Bono)
FERNSEHEN
Beste Fernsehserie – Drama
- Big Love (HBO)
- Dexter (Showtime)
- House (FOX)
- Mad Men (AMC) – GEWINNER
- Trouble Blood (HBO)
Beste Hauptdarstellerin – Drama
- Glenn Close – Damages
- January Jones – Man Men
- Julianna Margulies – The Good Wife – GEWINNER
- Anna Paquin – True Blood
- Kyra Sedgwick – The Closer
Bester Hauptdarsteller – Drama
- Simon Baker – The Mentalist
- Michael C. Hall – Dexter – GEWINNER
- Jon Hamm – Mad Men
- Hugh Laurie – House
- Bill Paxton – Big Love
Beste Fernsehserie – Musical oder Komödie
- 30 Rock (NBC)
- Entourage (HBO)
- Glee (FOX) – GEWINNER
- Modern Family (ABC)
- The Office (NBC)
Beste Hauptdarstellerin – Musical oder Komödie
- Toni Collette – United States of Tara – GEWINNER
- Courtney Cox – Cougar Town
- Edie Falco – Nurse Jackie
- Tina Fey – 30 Rock
- Lea Michele – Glee
Bester Hauptdarsteller – Musical oder Komödie
- Alec Baldwin – 30 Rock – GEWINNER
- Steve Carell – The Office
- David Duchovny – Californication
- Thomas Jane – Hung
- Matthew Morrison – Glee
Beste Miniserie oder Fernsehfilm
- Georgia O’Keeffe (Lifetime Television)
- Grey Gardens (HBO) – GEWINNER
- Into the Storm (HBO)
- Little Dorrit (PBS)
- Taking Chance (HBO)
Beste Hauptdarstellerin – Miniserie oder Fernsehfilm
- Joan Allen – Georgia O’Keeffe
- Drew Barrymore – Grey Gardens – GEWINNER
- Jessica Lange – Grey Gardens
- Anna Paquin – The Courageous heart of Irena Sendler
- Sigourney Weaver – Prayers for Bobby
Bester Hauptdarsteller – Miniserie oder Fernsehfilm
- Kevin Bacon – Taking Chance – GEWINNER
- Kenneth Branagh – Wallander: One Step Behind
- Chiwetel Ejiofor – Endgame
- Brendan Gleeson – Into the Storm
- Jeremy Irons – Georgia O’Keeffe
Beste Nebendarstellerin – Serie, Miniserie oder Fernsehfilm
- Jane Adams – Hung
- Rose Byrne – Damages
- Jane Lynch – Glee
- Janet McTeer – Into the Storm
- Chloe Sevigny – Big Love – GEWINNER
Bester Nebendarsteller – Serie, Miniserie oder Fernsehfilm
- Michael Emerson – Lost
- Neil Patrick Harris – How I Met Your Mother
- William Hurt – Damages
- John Lithgow – Dexter – GEWINNER
- Jeremy Piven – Entourage
Cecil B. DeMille Award
- Martin Scorsese